Weitere Details zu den einzelnen Phasen

Phase 1 «Wunsch und Standortbestimmung»

In dieser Phase müssen sich die Personen beider Generationen über ihre eigene Lebensplanung, Interessen, Werte und Ziele Gedanken machen und klarwerden. Diese Phase kann jederzeit beginnen, je früher desto besser.

Die langfristige Planung der Vorsorge und der Investitionen sind besonders wichtig. Bereits ab einem Alter von 45 Jahren sollten die Betriebsleitenden an die zukünftige Hofübergabe denken. Denn mit weitsichtig geplanten Investitionen kann vermieden werden, dass die nachfolgende Generation später viele Schulden übernehmen oder unfreiwillig Betriebszweige fortführen muss, weil erst kürzlich neu investiert wurde. Ebenso wichtig ist es für die betriebsleitende Generation, frühzeitig mit der Vorsorge zu beginnen, im Idealfall bereits bei der Hofübernahme, um bei der Pensionierung ausreichend abgesichert zu sein.

Die Übernahme des landwirtschaftlichen Erbes oder des «Lebenswerks» der Eltern sowie die Verpflichtung gegenüber der Familie kann auf die nachfolgende Generation einen mehr oder weniger grossen Druck ausüben. Daher sollte sich die abtretende Generation in dieser Phase grundlegend mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Um welchen Preis muss der Familienbetrieb erhalten bleiben? Woher kommt das Verlangen, das Fortbestehen des Betriebs zu sichern?

 

Gleichzeitig muss die nachfolgende Generation unabhängig von den Wünschen der abtretenden Generation eine eigene Standort- und Wunschbestimmung durchführen können. Zentrale Fragen dabei betreffen zum Beispiel die Motive für eine Hofübernahme und ob es um den Erhalt der Familientradition, um einen Lebensstil oder um Unternehmertum geht.


Die Phase «Wunsch/Standortbestimmung» wird bisher selten bewusst in den Hofnachfolgeprozess einbezogen. Das Spiel «Parcours» kann unterstützend wirken und die Gedanken und Diskussionen anregen.

Phase 2 «Vorbereitung I Familienkonferenz»

In dieser Phase beginnen die beteiligten Personen sich über die Hofnachfolge auszutauschen. Den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden ist allerdings nicht immer einfach, da er sehr individuell und situationsabhängig ist. So kann es bereits eine Herausforderung sein das Thema innerhalb der Familie überhaupt anzusprechen. In einem Fall sind informelle Gespräche mit jeder Einzelperson geeignet den Prozess zu beginnen. In einem anderen Fall bildet eine Familienkonferenz den Startschuss des gemeinsamen Prozesses.
 

Mit Familienkonferenz ist gemeint, dass sich die Personen der abtretenden und der nachfolgenden Generation, allenfalls inklusive Geschwister, gemeinsam über die zentralen Themen austauschen. Je nach Diskussionsbedarf zwischen den Generationen beziehungsweise Beteiligten kann diese Phase während einer einzigen oder mehreren gemeinsamen Sitzungen durchlaufen werden. Wichtig ist, dass über die zentralen Themen gemeinsam diskutiert wird und die Beteiligten voneinander erfahren, welche Wünsche, Ziele und Erwartungen sie haben. Was unausgesprochen bleibt, kann später im Prozess Schwierigkeiten verursachen. Kompromisse müssen zu diesem Zeitpunkt noch keine ausgehandelt werden, aber eine offene und transparente Kommunikation ist notwendig.
 

Auch die gewünschte künftige Wohnsituation der beiden Generationen sollte zu diesem Zeitpunkt offengelegt werden, damit je nach Wünschen und vorhandenem Platz frühzeitig eine intergenerationelle oder getrennte Wohnsituation angedacht und gesucht werden kann.
 

Die Phase «Familienkonferenz» wurde bisher selten bewusst in den Hofnachfolgeprozess einbezogen. Das Spiel «Parcours» kann unterstützend wirken und die Gedanken und Diskussionen anregen − in der Beratung, in der Ausbildung aber auch privat in der Familie.

Phase 3 «Vorbereitung II Grundlagen»

In dieser Phase werden die nötigen Grundlagen erarbeitet sowie die (finanziellen und rechtlichen) Voraussetzungen des Betriebes abgeklärt, um damit in der nächsten Phase die Varianten für die Hofnachfolge auszuarbeiten.


Ziel dieser Phase ist es, dass beide Generationen ihre finanzielle Ausgangslage (inklusive Schulden) und ihre Möglichkeiten für die Existenzsicherung einander schriftlich vorgelegt haben. Hierfür sind Checklisten der landwirtschaftlichen Beratungsdienste vorhanden. Es können aber auch bereits ein Notar oder eine Notarin sowie eine Treuhand- oder eine landwirtschaftliche Beratungsperson hinzugezogen werden.


Der potenzielle Nachfolger oder die potenzielle Nachfolgerin muss spätestens in dieser Phase klären, ob er beziehungsweise sie über die nötigen Kompetenzen verfügt, um den Betrieb zu führen.

Phase 4 «Varianten»

Während der Phase «Varianten» ist das gemeinsame Gespräch der beteiligten Personen wichtig. Mit den Erkenntnissen aus den drei vorhergehenden Phasen werden mit Hilfe von Beratungspersonen, Finanzinstitutionen oder Behörden mögliche Varianten für die Hofnachfolge erarbeitet und deren Konsequenzen abgewogen. Zu berücksichtigen sind hier sowohl Themen auf der Betriebsebene (Voraussetzungen des Betriebs, Phase «Grundlagen») als auch auf der Beziehungsebene, das heisst persönliche Vorstellungen und emotionale Faktoren der Beteiligten (Phase «Wunsch/Standortbestimmung» und «Familienkonferenz»). Mit weitsichtiger Planung können künftige Spannungen vermieden werden.


Unter anderem muss geklärt werden, ob der Betrieb «auf gesunden Beinen steht» und der übernehmenden Generation eine Lebensgrundlage bieten kann. Die Vorsorge sowie die künftige Wohnsituation der Abtretenden muss ebenfalls thematisiert werden. Ist die Vorsorge der Abtretenden ungenügend, muss beispielsweise in Erwägung gezogen werden, den Betrieb über dem Ertragswert an die nachfolgende Generation zu verkaufen oder vollständig familienextern zu veräussern. Die Übernehmenden müssen in jedem Fall klären, ob ihre finanzielle Situation den Übernahmepreis erlaubt und sie müssen beweisen, dass sie kreditwürdig sind. Liegen die Vorstellungen der Beteiligten nicht im Bereich des rechtlich oder finanziell Möglichen, muss die Beratung oder Behörden darauf aufmerksam machen. Andernfalls kann sich eine definierte Variante später als Sackgasse herausstellen oder schwerwiegende Nachteile herbeiführen.


Die zukünftige Rolle und Stellung der beteiligten Personen zu definieren, stellt eine weitere wichtige Herausforderung dar. Wie soll zum Beispiel eine künftige Zusammenarbeit von abtretender und übernehmender Generation aussehen und geregelt werden? Wie sollen die Eigentumsverhältnisse zwischen den Partnern der nachfolgenden Generation aussehen? Die Wünsche und Vorstellungen aller Beteiligten müssen berücksichtigt und diskutiert werden.

Phase 5 «Entschluss»

In der Entschluss-Phase müssen alle Beteiligten, inklusive Geschwister, Partnerinnen oder Partner, entscheiden, ob sie der erarbeiteten Variante zustimmen. Falls mehrere Varianten erarbeitet wurden, müssen sie sich für eine Variante entscheiden. Sowohl Kompromissbereitschaft als auch ein gewisser Grad an Egoismus sind für beide Generationen angebracht, um eine für alle Beteiligten befriedigende und nachhaltige Lösung zu finden.


In dieser Phase besteht die letzte Möglichkeit, nochmals einen Schritt oder mehrere Schritte zurück zu gehen und neue Varianten anzudenken, wenn sich die übergebende und übernehmende Generation nicht für die gleiche Variante entscheiden können. Diese Phase ist auch die letzte Möglichkeit, Nein zur gesamten Hofübergabe beziehungsweise Hofübernahme zu sagen, wenn die vorliegenden Varianten nicht befriedigend sind. Sich aus dem Hofnachfolgeprozess zurückzuziehen verlangt viel Mut und Stärke, da sich Hoffnungen zerschlagen und Erwartungen enttäuscht werden. Eine Hofnachfolge kann aber nur befriedigend und nachhaltig sein, wenn alle Beteiligten hinter der gewählten Hofnachfolgevariante stehen können.


Kann keine familieninterne Variante gefunden werden oder fällt der Entschluss bewusst auf die Variante der familienexternen Übergabe, sollten alle Phasen mit den potentiellen familienexternen Hofnachfolgenden nochmals durchlaufen werden, um eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten.

Phase 6 «Vertragliche Umsetzung»

Können sich die abtretende und die nachfolgende Generation für eine Nachfolge-Variante entscheiden, wird dieser Entscheid nun realisiert und die nötigen Verträge werden ausgearbeitet und unterzeichnet. Dafür wird ein Notar oder eine Notarin festgelegt, der oder die von beiden Generationen akzeptiert wird (falls dies in der Phase «Grundlagen» noch nicht gemacht wurde). Die Umsetzungsschritte für den Vollzug der Hofübergabe/Hofübernahme werden definiert. Schliesslich wird der Entschluss auch allen weiteren Betroffenen mitgeteilt.

Phase 7 «Konkrete Umsetzung»

Nach der Unterzeichnung der Verträge ist der Hofnachfolgeprozess noch nicht beendet, denn die vereinbarten Umsetzungsschritte müssen noch ausgeführt werden (Wohnungswechsel, Rollenwechsel, finanzielle Abwicklung etc.). Den Marktpartnern und landwirtschaftlichen Organisationen, bei welchen Mitgliedschaften bestehen, müssen der Generationenwechsel und die neuen Ansprechpersonen bekanntgegeben werden beziehungsweise die Mitgliedschaften angepasst oder gekündigt werden.


Die neue und die abgetretene Generation sollen weiterhin im Austausch bleiben. Für die konkrete Umsetzung, insbesondere betreffend die Übergabe von Verantwortung und Aufgaben oder die weitere Zusammenarbeit, können eine oder mehrere Familienkonferenzen durchgeführt werden. Auch verläuft die Übergabe idealerweise fliessend, das heisst in kleinen Schritten und nicht vom einen auf den anderen Tag. Somit können sich beide Generationen langsam an die Veränderungen gewöhnen und empfinden diese als eine weniger grosse Hürde.


Zirka ein Jahr nach der formellen Hofübergabe/Hofübernahme sollte eine Standortbestimmung durchgeführt werden. Die Ziele, Wünsche und Werte der Beteiligten werden dabei überprüft. Wurden die Erwartungen der Beteiligten an die Hofübergabe/Hofübernahme erfüllt? Konnten die Vereinbarungen wie geplant realisiert werden? Gibt es Aspekte, die sich nicht zur Zufriedenheit aller Beteiligten entwickelt haben? Allenfalls müssen Anpassungen vereinbart und vorgenommen werden.


Die Phase «Konkrete Umsetzung» wird bisher selten bewusst in den Hofnachfolgeprozess einbezogen. Das Spiel «Parcours» kann unterstützend wirken und die Gedanken und Diskussionen anregen.

 
 
 
 
 
 
 

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